IPA

 Institut für poetische Alltagsverbesserung

Das IPA widmet sich der Tätigkeit, der sich die Poesie seit jeher widmen sollte: der Erbauung. Es wirkt in einer Zeit der Unsicherheit konstruktiv und versteht sich als Dienstleistungsbetrieb, der von uns (einer temporären und sich ständig wandelnden Körperschaft) und für uns unterhalten wird. Bitte senden Sie eine Mail mit dem Betreff „Newsletter“ an das ☞ IPA, wenn Sie über neue Angebote informiert werden möchten.

Wir, wer immer wir gerade sind, verbessern Ihren Alltag mit Hilfe extravaganter Produkte, mit essbarem Geld zum Beispiel. Es ist kompostierbar, aber auch als Substrat zum Aufziehen von kleinen Sämereien geeignet. Die poetischen Schluckbildchen des IPA wirken gegen Übel aller Art. Sie bieten Handlungsanweisungen, mit denen Sie Ihren Alltag selbsttätig (Vodoo it yourself!) und instant verändern können, und werden nach Ausführung verspeist. Ebenfalls empfehlenswert: unsere Traum- und Erinnerungsverbesserungen. Schicken Sie uns die Beschreibung eines Albtraums oder einer böse Erinnerung! Wir senden Ihnen eine optimierte Version inklusive Erinnerungsfotos zu. Für Traum- und Erinnerungsverbesserungen gibt es auch Gutscheine, die Sie verschenken können. Sie erhalten Sie wie alle Produkte des IPA in der Abteilung ☞ Hosentaschen-Kunstedition. Hier finden Sie auch die berühmte REVOLOTION, die einzige Revolution, die Sie sich in die Haare schmieren können, oder das Müll-Orakel im Herzbehälter: Jedes Orakelobjekt besteht aus einem Müll-Einzelstück, das von einem Einzelstück-Orakeltext begleitet wird. Sie suchen sich im IPA die (immer glückliche) Zukunft aus, die Ihnen gefällt und kaufen sie um wenig Geld. Das IPA-Müll-Orakel ist eine sehr moderne, demokratische und daher selbstverstädnlich käufliche Form der Zukunfts-Weissagung, die Ihnen ein selbstbestimmtes und ökologisch bewusstes Handeln ermöglicht. Ja, und dann laden wir noch dazu ein, am INKARNATIONSPROJEKT des IPA teilzunehmen. Erstehen Sie das entsprechende Wassertattoo-Set „It’s your turn, Kanone!“ und inkarnieren Sie Leonora Carrington, Ilse Aichinger, Giannina Braschi, Remedios Varo, Inger Christensen oder Anna Kavan.


Vorlage für die Wiederherstellung des tasmanischen Beutelwolfs

Das IPA bietet Ihnen allerlei Hilfe in der Abteilung für biografische Flickschusterei, aber ja, auch die Biografie der Menschheit ist eine Baustelle. Wir Menschen haben beim Schreiben von Geschichte irgendwie ziemlich viele Tiere verloren. Wir dachten halt, Tiere wären lässliche Nebenfiguren, und so haben wir irgendwie einfach vergessen, sie weiter auftreten zu lassen. Allerdings droht uns jetzt unsere eigene Geschichte auseinanderzufallen, und, was soll ich sagen – auch  wir als Protagonist*innen scheinen in Gefahr zu sein. Ich habe mir daher überlegt, was da auf die Schnelle zu machen ist, also ich denke, dass Materie respektive Energie nicht verloren geht, die muss ja immer irgendwo sein, ich vermute deswegen einmal, da sie die Katzen so vermehrt haben, also, nachdem es jetzt so viele Katzen gibt, auf der Welt, da muss in all den Miezen doch irgendwo auch etwas DNA vom tasmanischen Beutelwolf drin sein, und ich hab mich daher daran gemacht, das Unterfell, das ich meinen Katzen jeden Tag ausbürste, zu verarbeiten. Ich habe aus dem Katzenhaar feinen Filz hergestellt, so können Sie sich jetzt dieses Set kaufen: etwas Filz und eine Anleitung zur Wiederherstellung des tasmanischen Beutelwolfs.

PS: Aus Filz etwas herzustellen, das ist ja der Traum jeder Bevölkerung. Filz ist ein schier unendlich und in unbegrenzten Mengen nachwachsender Rohstoff. Filz ist gerade in Österreich allgegenwärtig, und ich habe es schon erwähnt: Die Energie bleibt immer dieselbe. Auch in mir ist Filz, in Ihnen, keine Frage. Machen wir etwas Sinnvolles draus! Ja okay, das sind so hilflose Versuche der Nachhaltigkeit hier, ganz allein alles gutzumachen ist so eine Sache. Ganz allein.

Ein Exemplar der Vorlage für die Wiederherstellung des tasmanischen Beutelwolfs erhalten Sie im IPA mit einem Stück Original-Katzenfilz um 2 EUR.

Die Vorlage:

Der ausgestorbene Beutelwolf:


Sehr schöne *Parasitinnen*

sind Poesie-transportierende Wesen, die in Büchern gefunden werden. Seien Sie vorbereitet! *Parasitinnen* können Ihnen in privaten und öffentlichen Bibliotheken, aber auch in Tauschboxen und auf Flohmärkten begegnen. Legen Sie das von Ihnen entdeckte Exemplar unter das Mikroskop Ihrer Interpretation! Sie werden überrascht sein, welche bizarren Formationen Sie so entdecken können. Behandeln Sie das Wesen zärtlich! Sehr schöne *Parasitinnen* sind seltene Geschöpfe. Wenn Sie das Glück haben, ein Exemplar zu entdecken, laufen Sie in den nächsten Copy Shop! Klonen Sie das gefundene Exemplar und entlassen Sie die jungen Kopien in ihre ökologische Nische wandernder Bücher.

Die *Parasitinnen* kommen auf Dünndruckpapier im transparenten Umschlag. Derzeit enthält das Paket Texte von Ines Frieda Försterling, Nora Hofmann, Greta Pichler, Bettina Scheiflinger, Sara Schmiedl, Sebastian Sauer & Johann Voigt. Wenden Sie sich für Bestellungen bitte ans IPA.


Croissants & Shrimps. Brauchbare Briefe, erdichtet von Anouk Doujak

Sie sind zu müde, sich selbst Lebensziele auszudenken? Das IPA liefert Ihnen „Croissants & Shrimps, Brauchbare Briefe, erdichtet von Anouk Doujak.“ Die surrealistische Malerin Remedios Varo machte es uns vor: Sie schrieb Briefe und verschickte sie an unbekannte Menschen in der ganzen Welt. Anouk Doujak toppt dieses Unternehmen und hat Ihre Bewerbungen und Beschwerden vorformuliert. Sie müssen nur noch unterschreiben, um eine Karriere als Zierpfirsich, Croissant oder Möbel anzustreben. Die Briefe kommen auf edlem Recycling-Papier. Verwenden Sie sie selbst oder verschenken Sie sie an Menschen, die eine Veränderung ihres Lebens nötig haben. Wir dichten Ihre biografische Löcher zu und ab.

Das Packerl mit vier Briefen erhalten Sie um 6 EUR plus Versandkosten.


HOMINES AEQUIVALENT CANES: CAUSA NOSTRA

Die neuen Kleber des IPA sind da. Verzieren Sie Ihre Stadt! Homines aequivalent canes = Der Mensch ist dem Hunde gleichwertig.

Der HUNDEKULT ist ein sich unter der Anleitung des IPA verbreitender Ritus, bei dem Menschen so gehätschelt werden, wie wir das sonst nur mit Hunden tun. Ja, auch Sie können, sobald Sie durch die Lektüre dieser Information in den Kult eingeführt sind, Kontakte mit Menschen in Heimen pflegen, mit ihnen spazieren gehen, und mit einiger Übung sogar ein Individuum bei sich zu Hause aufnehmen. Sie dürfen es dort füttern, kraulen und zusehen, dass es sich in ihrer glücklichen Menschenhorde frei entwickeln und einordnen kann. Sie dürfen dem armen Menschen aber auch verzeihen, wenn er mit der Einordnung Schwierigkeiten hat, weil er ja ihr Schnuckiputzi ist. Ach, der Mensch wird Ihnen dafür Ihre Liebe zurückgeben oder auch nicht. Sie wissen: Er ist nur ein Mensch. Man / frau kann es ihm nicht vorwerfen, wenn er etwas eigen ist. Dafür kann der Mensch aber oft sogar sprechen und womöglich im Haushalt mithelfen. Ist das nicht völlig irre?

Das ist unser Ding = causa nostra. 15 Stück Kleber (7,2 x 3,5 cm) inklusive Versand erhalten Sie um Euro 4,50.


Das Inkarnationsprojekt des IPA ermöglicht es Ihnen, tolle Autorinnen und Künstlerinnen mit Hilfe Ihres eigenen Fleisches und des Wassertattoo-Sets „It’s yout turn, Kanone“ zum Leben zu erwecken.

Schluckbildchenserie „Voodoo it yourself!“

SPESIMUM / Manna

Das essbare Geld des IPA ist zur Hand, wenn es gerade nichts Essbares zu kaufen gibt. Sie können es aber auch kompostieren. Außerdem eignet es sich zur Aufzucht von Kressesamen.


Besuchen Sie unsere Abteilung ☞ Edition kleine Brötchen! Dort finden Sie unsere gedrucken Erzeugnisse, zum Beispiel das wunderschöne Magazin von Otto Saxinger oder „Aus dem Buch der Knöpfe. Abreißkalender für eine schwere Zeit“ von Sophia Brkić (12 Knopfmeditationen für alle Lebenslagen).


Projekt „YOUTOPIA/PLAN B“ des IPA

Im Rahmen des Projekts „YOUTOPIA/PLAN B“ besuchte das IPA (diesfalls Lisa Spalt & Otto Saxinger) Orte in Österreich, Deutschland und Rumänien und befragte über 50 Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen nach ihren utopischen Vorstellungen. Über unsere Korrespondentin sind außerdem Utopien aus Yukon hier eingelangt. Der Ausgangspunkt des Projekts war ein Traum:

Heute Nacht träumte ich von einem Katalog, in dem ich las oder aus dem ich einer undeutlich mir vorkommenden Person kurze Passagen zum Besten gab. Er bot Beschreibungen von neu erschienenen Büchern, sah aus wie jener der Interessensgemeinschaft österreichischer Autorinnen Autoren. Einer der vorgestellten Bände trug den Titel „KOOF“. Ich wusste sofort: Er konnte mein Leben ändern. Jemand hatte ihn in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts geschrieben, er war sogar als Puppentheaterstück gefeiert worden. Ich erzählte das der verschwommenen Person neben mir, erklärte ihr, wie sehr ich von dem Buch begeistert wär. Dürfte ich es nur lesen! Kurz standen wir gemeinsam vor dem Schaufenster des Figurentheaters, so sehr gefiel uns, was wir in dem Buch erfahren wollten. Dann wachte ich auf. Ich gab „KOOF“ in die Maske einer Übersetzungsmaschine ein. Die Maschine erkannte das Wort als afrikaans. Seine Bedeutung: „BUCHT“. Ich sah: So ein Katalog ist eine Odyssee, die von Utopia nach Utopia führt. Er ist der Katalog der Orte einer traumhaften Welt …

Die nächste Präsentation der Video-Installation Youtopia / Plan B gibt es ab 31.05.2021 im Literaturhaus Wien.


Die vom IPA kuratierte Wanderausstellung (aufgrund ständiger Projekt-Schwangerschaft unangenehm demonstrativ am Leibe der Personifikation des Instituts herumgeschleppt) zeigt ein ganz besonderes Objekt. Eine Datierung weist das Köfferchen, über dessen Herkunft sich das IPA wohlweislich ausschweigt, nicht auf, aber zumindest eine Beschriftung, denn sonst wüsste man ja nicht, dass es sich hier um etwas handelt, das fast so wichtig ist wie Kunst, nicht wahr? Also dieser quasi-fast-künstlerische, aber wegen besserer Verkaufbarkeit simuliert-wissenschaftliche Beipackzettel behauptet, es handle sich bei dem Gebilde um ein „[m]angelhaft erhaltenes Exemplar der Notplastinierung eines so genannten Ameisenkuchens, leider wolkig geworden durch die Wechselwirkung des Plastinierungsmaterials mit einer unbekannten Substanz (Baumharz??? Eine Bestätigung würde die Hypothese stützen, dass Ameisenkuchen als Abwehr-Absonderung von Bäumen gegen die Besiedelung mit Formica rufa entstehen [s. Lehrfilm „CODA“, O. Saxinger 2017, zu finden auf dem Dorf-TV-Channel des IPA).“